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Straßenbäume auch wichtig für die psychische Gesundheit

Nach einer Studie von Marselle et al. (2020) bereichern Bäume nicht nur die Stadt, sondern können auch die seelische Gesundheit stärken. Man setzte dabei die Daten von zehntausend erwachsenen Einwohnern der Stadt Leipzig, die an der LIFE-Gesundheitsstudie der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig teilgenommen hatten, mit räumlich genauen Daten zu Straßenbäumen der Stadt Leipzig in Beziehung. So konnte man den Zusammenhang zwischen Antidepressiva-Verordnungen und der Anzahl der Straßenbäume in unterschiedlichen Entfernungen von den Wohnorten der Menschen ermitteln, wobei andere für Depressionen bekannte Faktoren wie etwa Beschäftigungsstatus, Geschlecht, Alter und Körpergewicht aus den Ergebnissen herausgerechnet wurden. Man konnte zeigen, dass mehr Bäume in unmittelbarer Umgebung des Hauses, und zwar unter 100 Meter Entfernung, häufig mit einer geringeren Zahl von Antidepressiva-Verschreibungen einhergingen. Dieser Zusammenhang war besonders deutlich für sozial schwache Gruppen, die am gefährdetsten gelten, an Depressionen zu erkranken. Straßenbäume in Städten könnten also als einfache naturnahe Lösung für eine gute psychische Gesundheit dienen, wobei die verschiedenen Baumarten dabei keine signifikante Rolle zu spielen scheinen.

Straßenbäume in städtischen Wohngebieten zu pflanzen könnte also eine effektive und preiswerte naturbasierte Lösung sein, nicht nur den lokalen Klimawandel und den Verlust biologischer Vielfalt zu bekämpfen, sondern auch das Risiko für Depressionen und den Bedarf an Antidepressiva in der Stadtbevölkerung zu reduzieren. Daher sollten sich die Planungsrichtlinien für städtische Grünflächen nicht nur auf die Gestaltung von Erholungsräumen beschränken, die extra aufgesucht werden müssen, wie etwa Parks, sondern auch zu berücksichtigen, dass die alltägliche Natur in der Nähe des Hauses, also die Artenvielfalt, die man beim Blick aus dem Fenster sieht oder wenn man zu Fuß oder mit dem Auto zur Arbeit, zur Schule oder zum Einkaufen geht, genauso wichtig für die psychische Gesundheit sind.

Literatur

Marselle, Melissa R., Bowler, Diana E., Watzema, Jan, Eichenberg, David, Kirsten, Toralf & Bonn, Aletta (2020). Urban street tree biodiversity and antidepressant prescriptions. Scientific Reports, 10, doi:10.1038/s41598-020-79924-5.
https://www.idiv.de/de/news/news_single_view/2126.html (20-12-12)