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Gleichgewicht der Emotionen in der Partnerschaft

    Ein gutes Gleichgewicht der Emotionen findet sich zwischen emotionalem Ausdruck einerseits und der emotionaler Kontrolle andererseits; je nach Situation kann die eine Seite einmal wichtiger sein, die andere einmal nicht. Paarforscher haben untersucht, was passiert, wenn Paare aus dem emotionalen Gleichgewicht geraten: In einem schleichenden Prozess kehrt sich der Kreislauf der positiven Beeinflussung um und wird zu einem Kreislauf der negativen Beeinflussung, der nicht mehr auf Liebe, sondern auf Zwang beruht. Bestimmte Situationen in einer Partnerschaft erfordern eine besondere Rücksichtnahme auf die Gefühle des Partners, denn hier dürfen sich die Gefühle nur kontrolliert äußern:

    Vor allem ein Streit erfordert die Kontrolle der Gefühle. In einer solchen Situation kann man es sich allenfalls leisten, die emotionale Kontrolle zu verlieren – zumindest muss man einen kühlen Kopf bewahren. Andernfalls kommt es zu einer Eskalation, die Mikrotraumata auslöst; damit sind überwältigende, bedrohliche Erlebnisse gemeint, die lange nachwirken und in unerwarteten Momenten wieder auftauchen.

    Menschen unterscheiden sich in ihrer Emotionstoleranz, und auch darin, welche Emotionen sie gut und welche sie weniger gut tolerieren. Manche Menschen können Wutausbrüche gut verkraften, aber Traurigkeit macht ihnen Angst. Bei anderen ist es genau andersherum. Es macht die Sache einfacher, wenn die Partner die Gefühle des anderen nur in dem Maße ertragen können, wie der andere es kann. Wer von den Gefühlen des Partners überflutet wird, wird immer dünnhäutiger und fühlt sich immer weniger in der Lage, die Situation zu bewältigen. Wer hingegen den Gefühlen in einem Maße ausgesetzt ist, mit dem er umgehen kann, lernt mit der Zeit, mit stärkeren Gefühlen des Partners umzugehen.

    In jeder Beziehung können Gefühle aufkommen, die sich gegen den Partner richten. Man schämt sich für den anderen, entwickelt eine Abneigung gegen seine Eigenheiten, empfindet Neid auf die Vorzüge oder Verachtung für die Schwächen des Partners. Wenn überhaupt, dürfen sich solche Gefühle nur sehr taktvoll zeigen.

    Literatur

    https://www.spektrum.de/leseprobe/leseprobe-liebe-die-immer-noch-schoener-wird-emotionen/1972387 (22-01-22)