Das Flow-Erlebnis im Team unterscheidet sich vom normalen Flow-Erlebnis

Shehata et al. (2021) haben untersucht, was im Gehirn passiert, wenn in einem Team ein Flow-Moment erreicht wird. Team-Flow tritt bekanntlich auf, wenn eine Gruppe mit hohem Engagement an der Erreichung eines gemeinsamen Ziels arbeitet, wie man es häufig im Leistungs- und Sportbereich beobachten kann, wobei Team-Flow im Vergleich zu individuellem Flow oder normalem Zusammensein verbesserte positive Erfahrungen ermöglichen kann. In der Untersuchung haben die ForscherInnen die neuronalen Korrelate des Team-Flows bei menschlichen Teilnehmern anhand einer Musik-Rhythmus-Aufgabe mit Elektroenzephalogramm-Hyperscanning ermittelt. Anschließend befragte man die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu ihrem persönlichen Flow-Empfinden und glich die Antworten mit den Hirnstromdaten sowie der Leistung im Spiel ab.

Experimentelle Manipulationen hielten während des Versuchs die motorische Aufgabe konstant, während die entsprechende hedonische Musik unterbrochen wurde, um den Flow-Zustand zu stören oder das positive Feedback des Partners zu verdecken, um die Teaminteraktion zu behindern. Man validierte diese Manipulationen durch psychometrische Bewertungen und ein objektives Maß für die Tiefe des Flow-Erlebnisses, das das auditorisch evozierte Potenzial eines aufgabenirrelevanten Stimulus verwendet. Die Analyse der spektralen Leistung sowohl auf der Ebene der Kopfhautsensoren als auch auf der Ebene der anatomischen Quellen ergab eine höhere Beta-Gamma-Leistung, die spezifisch für Team-Flow im linken mittleren temporalen Cortex ist. Die Analyse der kausalen Interaktion ergab, dass der linke mittlere temporale Cortex bei der Informationsverarbeitung nachgeschaltet ist und Informationen aus Bereichen erhält, die den Flow oder soziale Zustände kodieren. Der linke mittlere temporale Cortex trägt dabei wesentlich zur Integration der Informationen bei. Darüber hinaus fand man, dass der Team-Flow die globale, hirnübergreifende Informationsintegration und die neuronale Synchronität verbesserte. Man schließt nun daraus, dass die neuronalen Korrelate des Team-Flows einen einen einzigartigen Gehirnzustand aufweisen, der sich von gewöhnlichen Flow-Zuständen oder sozialen Zuständen unterscheidet. Das positive Empfinden eines Team-Flows ist dabei der alltäglichen sozialen Interaktion und dem Erleben eines persönlichem Flows überlegen.

Literatur

Shehata, Mohammad, Cheng, Miao, Leung, Angus, Tsuchiya, Naotsugu, Wu, Daw-An, Tseng, Chia-huei, Nakauchi, Shigeki & Shimojo, Shinsuke (2021). Team flow is a unique brain state associated with enhanced information integration and inter-brain synchrony. eNeuro, doi:10.1523/ENEURO.0133-21.2021.