Soziale Kontakte fördern Empathie und solidarisches Verhalten

Das Empathievermögen ist nach Untersuchungen in Deutschland zum Teil von außen beeinflussbar, denn wenn Menschen etwa großem Stress ausgesetzt sind, dann ist es schwierig, andere Perspektiven nachzuvollziehen oder sich um das Wohlergehen anderer zu sorgen. Menschen, die während des durch Corona bedingten Lockdowns ganz bewusst auf eine soziale Strategie zum Umgang mit der Pandemie, zum Beispiel auf die Pflege von positiven sozialen Kontakten setzten, berichteten, sich besser in andere Personen einfühlen zu können. Je stärker Menschen sozial agierten, etwa regelmäßigen Austausch mit Familie und Freunden suchten und sich generell sozial eingebunden fühlten, desto mehr wuchs ihr emotionales Mitgefühl, ihre empathische Sorge gegenüber anderen. Diese Strategie korrelierte positiv mit der Solidarität gegenüber verschiedenen von der Pandemie stark betroffenen Personengruppen, wobei die Form der Kontakte keine Rolle spielte, denn sowohl persönliche Begegnungen als auch Telefonate oder Zoom-Gespräche hatten einen positiven Einfluss. Einen wichtigen Effekt darauf hatte zudem, dass die Menschen sich diese Vorgehensweise als ihre eigene Strategie zur Krisenbewältigung auch bewusstmachen. Solche Abwehrstrategien funktionierten allerdings nicht besonders gut in Phasen besonders hoher Bedrohung, die große Anspannung und Stress mit sich brachten, etwa als die Inzidenzwerte besonders hoch waren, andererseits konnten auch hier als positiv empfundene soziale Kontakte die Auswirkungen der wahrgenommenen Gefahr auf Empathie senken. Die Psychologinnen der Friedrich-Schiller-Universität haben gezeigt, dass das Empathievermögen zum Teil variabel ist und mit welchen Mitteln wir diese Fähigkeit zum Mitfühlen beeinflussen können, auch oder gerade in Zeiten des Ausnahmezustands. Nicht nur die persönliche Prägung des Einzelnen hat also einen Einfluss auf die Solidarität und damit auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt, sondern auch die umgebende Situation. Gerade in Situationen, in denen eine hohe Solidarität notwendig ist, sollten daher explizit die sozialen Kontakte im Rahmen der Möglichkeiten gefördert werden.

Literatur

https://idw-online.de/de/news777210 (20-10-09)