Wo ist die Klitoris im weiblichen Cortex verortet?

Die genaue Lage des weiblichen Genitalrepräsentationsfeldes bei Stimulation der Klitoris im primären somatosensorischen Cortex ist umstritten, und auch seine Fähigkeit zu nutzungsassoziierten strukturellen Veränderungen in Abhängigkeit vom Sexualverhalten weitgehend unbekannt, d. h., es ist unzureichend erforscht, wie die weiblichen Genitalien, insbesondere die Klitoris, im Gehirn der Frauen repräsentiert sind, und ob dieser Bereich sich in Abhängigkeit von der Erfahrung oder dem Gebrauch überhaupt verändern kann. Knop et al. (2021) haben daher zwanzig Frauen mit einem speziell dafür entwickelten Apparat stimuliert und deren Gehirn gleichzeitig mit Hilfe der Magnetresonanztomographie beobachtet. Neurale Reaktionen auf taktile Stimulation der Klitorisregion im Vergleich zur rechten Hand ergaben individuell äußerst unterschiedliche fokale bilaterale Aktivierungen in dorsolateralen Bereichen, die aber mit der anatomischen Lage übereinstimmten. Danach wurden cortikale Oberflächenanalysen durchgeführt, um die strukturelle Dicke der zehn individuell am stärksten aktivierten Scheitelpunkte pro Hemisphäre für jede Frau zu bewerten. Man konnte dabei zeigen, dass die Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs innerhalb eines Jahres mit der strukturellen Dicke des individuell kartierten linken Genitalfeldes zusammenhängt.

Diese Ergebnisse liefern trotz der geringen Probandinnenzahl eine relativ präzise funktionelle Lokalisierung des weiblichen Genitalfeldes und erbringen auch zum ersten Mal Beweise für eine strukturelle Variation des menschlichen Genitalfeldes in Verbindung mit der Häufigkeit von Genitalkontakten. Diese Ergebnisse legen auch nahe, dass jede Studie, die Veränderungen im menschlichen Genitalfeld untersucht, das Feld individuell kartieren muss, um eine ausreichende Präzision zu erreichen, was erforderlich ist, um eine Untersuchung der Plastizität des menschlichen Genitalcortex in Abhängigkeit von normalen oder negativen Erfahrungen sowie von Veränderungen unter pathologischen Bedingungen, etwa bei sexueller Dysfunktion, sexueller Abweichung oder sexuellem Risikoverhalten zu ermöglichen.


Übrigens: Schon im Jahr 2005 gelang es  Forschern, eine sehr lokalisierte, taktile Stimulation des Penis auszulösen und die genauen Bereiche im männlichen Gehirn zu verorten.


Literatur

Knop, Andrea J.J., Spengler, Stephanie, Bogler, Carsten, Forster, Carina, Brecht, Michael, Haynes, John-Dylan & Heim, Christine (2021). Sensory-Tactile Functional Mapping and Use-Associated Structural Variation of the Human Female Genital Representation Field. The Journal of Neuroscience, doi:10.1523/JNEUROSCI.1081-21.2021.