Die Prinzipien des Arbeitsgedächtnisses gelten vermutlich artübergreifend

Komplexe Kognitionen wie Denken, Planen, Befolgen von Anweisungen oder Lösen von Problemen sind auf ein flexibles Arbeitsgedächtnis angewiesen, dessen Kapazität aber stark begrenzt ist. Hahn et al. (2021) haben die Kapazität des Arbeitsgedächtnisses von Krähen (Corvus corone) in einer Aufgabe zur Erkennung von Veränderungen untersucht, die ursprünglich für Affen (Macaca mulatta) entwickelt worden war, wobei man extrazelluläre Ableitungen des präfrontalen Areals Nidopallium caudolaterale durchführte. Man hatte für den Versuch den Krähen beigebracht, sich auf einem Bildschirm eine unterschiedliche Anzahl von farbigen Quadraten zu merken, wonach nach einer Pause von einer Sekunde aber erneut Quadrate auf dem Bildschirm präsentiert wurden, die dann leicht verändert waren, wobei die Vögel herausfinden sollten, welches Quadrat sich verändert hatte. Es zeigte sich, dass die neuronale Kodierung und Aufrechterhaltung der Informationen im Gehirn in gleicher Weise durch die Item-Anzahl beeinflusst wurde, wie man diese im präfrontalen Cortex von Affen gefunden hatte, d. h., mit zunehmender Anzahl der Gegenstände, die sich die Krähen merken mussten, veränderte sich die Menge der zu verarbeitenden Informationen im Vogelhirn. Diese Ähnlichkeiten zwischen den nur entfernt verwandten Spezies Vogel und Säuger bestätigen die Grundannahmen über die Grenzen des Arbeitsgedächtnisses, wobei diese darauf hindeuten, dass Vögel und Affen trotz ihrer unterschiedlichen Gehirnarchitektur die gleichen zentralen Mechanismen und Grenzen des Arbeitsgedächtnisses aufweisen.

Literatur

Hahn, Lukas Alexander, Balakhonov, Dmitry, Fongaro, Erica, Nieder, Andreas, Rose, Jonas, Rich, Erin L., Frank, Michael J. & Colombo, Mike (2021). Working memory capacity of crows and monkeys arises from similar neuronal computations. eLife, doi:10.7554/eLife.72783.