Wie sinnvoll ist Gehirnjogging am Computer?

Der Grundgedanke der meisten Gehirntrainings ist, dass die allgemeine kognitive Leistungsfähigkeit durch das Absolvieren von Computerspielen verbessert werden kann, wobei diese Vorstellung zumindest intuitiv plausibel erscheint. Ob diese Form des Gehirntrainings jedoch wirklich die gewünschten Ergebnisse erzielen kann, ist nach wie vor umstritten. Dies liegt zum Teil daran, dass die einschlägige Literatur voll von Studien ist, die äußerst unklare Kriterien für die Feststellung übertragbarer Verbesserungen der kognitiven Leistungsfähigkeit verwenden und meist nur einzelne Trainings- und Ergebnismessungen mit kleinen Stichproben verwenden.

Um diese Einschränkungen zu überwinden, haben Stojanoski et al. (2021) eine groß angelegte Online-Studie durchgeführt, um zu untersuchen, ob Praktiken und Überzeugungen über Gehirntraining tatsächlich mit einer besseren Kognition verbunden sind. Man rekrutierte eine breit gefächerte Stichprobe von über tausend TeilnehmerInnen, die Gehirntrainingsprogramme über einen Zeitraum von bis zu fünf Jahren genutzt hatten. Die Leistungsfähigkeit wurde anhand mehrerer Tests zur Messung von Aufmerksamkeit, logischem Denken, Arbeitsgedächtnis und Planung erhoben.

Dabei zeigte sich nicht der geringste Zusammenhang zwischen irgendeiner Messung der kognitiven Leistungsfähigkeit und der Tatsache, ob die TeilnehmerInnen gerade Gehirntraining betrieben oder nicht, und zwar selbst bei den engagiertesten. Auch die Dauer des Gehirntrainings zeigte keinen Zusammenhang mit irgendeiner kognitiven Leistung, wobei dieses Ergebnis unabhängig vom Alter, der Art des Gehirntrainingsprogramms oder von ihrer persönlichen Erwartung war, dass Gehirntraining funktioniert.

Es kann daher heute als relativ gesichert gelten, dass alle Gehirntrainingsrogramme allein jene spezifischen Fähigkeiten fördern, die in ihren Aufgaben stecken, dass aber keine Generalisierung auf andere kognitive Bereiche stattfindet. So wird man also durch Sodokus ein besserer Sodoku-Spieler, doch diese verbesserte Fähigkeit lässt sich nicht auf reale Problemlösungen anwenden. Daher sollte man sein Gehirn am besten in realen Situationen trainieren, statt am Computer oder Mobiltelefon Gehirnjogging oder Ähnliches zu betreiben.

Siehe dazu Übungen für das Gehirn.

Literatur

Stojanoski, B., Wild, C. J., Battista, M. E., Nichols, E. S., & Owen, A. M. (2021). Brain training habits are not associated with generalized benefits to cognition: An online study of over 1000 “brain trainers”. Journal of Experimental Psychology, 150), 729–738.


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