Ist am Mozarteffekt doch etwas dran?

In den 1990er Jahren gab es Berichte, wonach Mozarts Sonate D-Dur für zwei Klaviere (KV 448) einen positiven Effekt – Verringerung ictaler und interictaler epileptiformer Aktivität – für Epilepsie-Patienten habe, was Größe mediale Aufmerksamkeitauslöste, allerdings erbrachten Wiederholungen der Studien keine Bestätigung. Quon et al. (2021) haben nun versucht, den Mechanismus zu finden, der dem Effekt bei Menschen mit Epilepsie zugrunde liegen könnte. Sie haben haben den den Einfluss von K448 auf intrakranielle interiktale epileptiforme Entladungen bei sechzehn Betroffenen gemessen, die wegen refraktärer fokaler Epilepsie intrakraniell überwacht wurden. Sie stellten fest, dass die epileptiformen Entladungen in der Originalversion von K448 nach einer Expositionszeit von mindestens dreißig Sekunden reduziert waren. Nicht-signifikante Verringerungen der epileptiformen Entladungsrate wurden in allen Hirnregionen beobachtet, mit Ausnahme der bilateralen frontalen Cortex, wo man eine erhöhte frontale Theta-Leistung während der Übergänge von verlängerten Musiksegmenten beobachtete. Alle anderen dargebotenen musikalischen Reize waren mit nicht signifikanten epileptiformen Entladungsveränderungen verbunden. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass der „Mozart-K448-Effekt“ von der Dauer der Exposition abhängt und möglicherweise bevorzugt die Aktivität in frontalen emotionalen Netzwerken moduliert, was einen Einblick in den Mechanismus gibt, der dieser Reaktion zugrunde liegt. Diese Ergebnisse ermutigen nach Ansicht der AutorInnen dazu, Mozarts K448 als nicht-invasive, nicht-pharmakologische Intervention bei refraktärer Epilepsie weiter zu evaluieren.


[Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=tT9gT5bqi6Y]

Literatur

Quon, Robert J., Casey, Michael A., Camp, Edward J., Meisenhelter, Stephen, Steimel, Sarah A., Song, Yinchen, Testorf, Markus E., Leslie, Grace A., Bujarski, Krzysztof A., Ettinger, Alan B. & Jobst, Barbara C. (2021). Musical components important for the Mozart K448 effect in epilepsy. Scientific Reports, 11, doi:10.1038/s41598-021-95922-7.
Stangl, W.(2010). Musik und Leistungsfähigkeit. [werner stangl]s arbeitsblätter.
WWW: https://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/LERNEN/Leistung-Musik.shtml (10-05-05)