Die Big Five der Katzenpsychologie

Die Vorstellung, dass Tiere eine Persönlichkeit besitzen, wurde von der wissenschaftlichen Gemeinschaft lange abgelehnt, hat aber inzwischen an Zugkraft gewonnen, da es Hinweise auf eine mögliche Anwendung zur Verbesserung der Haltung und des Wohlergehens von Tieren in Gefangenschaft gibt. Die Persönlichkeit einer Katze wird von verschiedenen Faktoren geprägt und kann von Katze zu Katze deutlich variieren, denn so spielen Rasse und Gene eine Rolle. Die Entstehung von Persönlichkeitsmerkmalen wird aber auch von der Verfassung der Mutter während der Trächtigkeit, dem Verhalten der Mutter in verschiedenen Lebenssituationen, gegenüber Artgenossen, anderen Tieren und Menschen beeinflusst. Hinzu kommen andere Umwelteinflüsse wie Sozialkontakte die Ernährung, die jeweilige körperlichen Verfassung und ndividuelle Lebenserfahrungen. Obwohl Hauskatzen beliebte Begleittiere sind, hat die Forschung den Wert der Persönlichkeitsbeurteilung für die Haltung und Pflege von Hauskatzen eher übersehen.

Ziel einer Studie von Litchfield et al. (2017) war es, die Persönlichkeit einer großen Stichprobe von Hauskatzen zu untersuchen, um die praktischen Auswirkungen auf die Haltung von Hauskatzen zu verstehen. Die Persönlichkeit von an die dreitausend Hauskatzen aus Südaustralien und Neuseeland wurden von ihren Besitzern Persönlichkeitsmerkmale bewertet. Es wurden dabei fünf Persönlichkeitsfaktoren ermittelt: Neurotizismus, Extraversion, Dominanz, Impulsivität und Annehmlichkeit.

  • Ist Neurotizismus bei einer Katze stark ausgeprägt, verhält sie sich nervös, scheu und ängstlich, haben als Freigänger auch ein höheres Unfallrisiko. Bei schwacher Ausprägung ist das Tier eher gelassen, vertrauensvoll und selbstsicher.
  • Katzen mit hohen Werten im Faktor Extraversion sind neugierig und aktiv, während Tiere mit niedrigen Werten in diesem Bereich eher planlos und unentschlossen wirken.
  • Katzen mit hohen Werten im Faktor Dominanz verhalten sich aufdringlich bis aggressiv gegenüber Artgenossen und neigen dazu, diese zu mobben. Katzen mit niedrigen Dominanzwerten verhalten sich freundlich und sozial gegenüber Artgenossen und eignen sich gut zur Haltung in einer Gruppe.
  • Tiere mit niedrigen Werten im Faktor Impulsivität erscheinen berechenbar und kontrolliert, hängen stark an Routinen und sind meist unkompliziert, während Tiere mit hohen Werten als impulsiv, ablenkbar und launisch beschrieben werden, wobei sich das auch negativ auf Wohlbefinden und Gesundheit auswirken kann.
  • Der Faktor Verträglichkeit betrifft vor allem das soziale Verhalten gegenüber Menschen bewertet, wobei Katzen mit hohen Werten sich als freundlich und gesellig, kooperationsbereit und vertrauend erweisen, d. h., sie fühlen sich in ihrem Lebensraum und mit ihren Sozialpartnern wohl. Tiere mit niedrigen Werten gelten als einzelgängerisch und reizbar bis aggressiv gegenüber Menschen, wobei dieses Verhalten auch aufgrund von Schmerzen und Krankheiten auftreten kann.

Es zeigte sich dabei weder ein Unterschied zwischen neuseeländischen und australischen Katzen, noch zwischen männlichen und weiblichen Tieren, nur ein gewisser Unterschied ergab sich in den Charakterzügen zwischen jüngeren und älteren Tieren, wobei jüngere Katzen kontaktfreudiger und weniger dominant zu sein schienen als ihre älteren Artgenossen. So können diese Forschungsergebnisse zu einer Verbesserung der Haltung und des Wohlergehens von Hauskatzen genutzt werden.

Literatur

Litchfield, Carla A., Quinton, Gillian, Tindle, Hayley, Chiera, Belinda, Kikillus, K. Heidy & Roetman, Philip (2017).
The ‘Feline Five’: An exploration of personality in pet cats (Felis catus). PLOS ONE, 12, doi:10.1371/journal.pone.0183455.