Drei Formen der Empathie nach Davies

Nach Davies (1980, 1983) kann man drei Typen von Empathie unterscheiden, die mit einem von ihm entwickelten Inventar gemessen werden können (Deutsche Version von Grimm, 2015):

  • Kognitive Empathie-Typen (Perspective Taking) versetzen sich vor allem gedanklich in die Lage ihrer Mitmenschen. Emotional bleiben sie dabei vergleichsweise distanziert und eher bei sich. Sie verstehen und stellen sich vor, was andere durchmachen, ohne dass das eine Auswirkung auf ihre eigene Gefühlswelt hat.
  • Affektive Empathie-Typen (Personal Distress) fühlen mit anderen Menschen mit und spiegeln ihre Emotionen, sobald sie eine empathische Verbindung zu ihnen herstellen und sich in ihre Lage versetzen. Sie empfinden Freude, Trauer, Schmerz oder Wut aufgrunddessen, was andere durchmachen, und unabhängig davon, was in ihrem eigenen Leben und ihrer eigenen Gefühlswelt gerade vor sich geht.
  • Soziale Empathie-Typen (Empathic Concern) sind das, was man im Alltag meist meint, wenn man von jemandem sagt, diese Person sei empathisch. Sie verstehen die Lage, in der sich andere Menschen befinden, und können sich in diese hineinversetzen. Sie wissen und spüren auch, was ihr Gegenüber in dieser Lage fühlt, und teilen seine Emotionen insofern in einem gewissen Rahmen. Doch im Unterschied zu affektiven Empathie-Typen können sich soziale Empathie-Typen abgrenzen, ihre eigene Gefühlswelt wird nicht völlig von der des anderen vereinnahmt.

Literatur

Davis, Mark H. (1980). A multidimensional approach to individual differences in empathy. JSAS Catalog of Selected Documents in Psychology, vol.10, pp.85ff.
Davis, Mark H. (1983). Empathic concern and the muscular dystrophy telethon. Empathy as a multidimensional construct. Personality and Social Psychology Bulletin, vol.9, no. 2, pp.223-229.
Grimm, Jürgen (2015). Empathie-Messung nach Davis. Deutsche Version. Test-Dokumentation. – Methodenforum der Universität Wien: MF-Working Paper 2015-03. [http://empcom.univie.ac.at/methoden-archiv/]