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Warum Menschen trotz tiefer Erschöpfung oft nicht schlafen können

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    Es ist ein bekanntes und frustrierendes Phänomen: Der Körper fühlt sich bleischwer an, die Augen brennen vor Müdigkeit, doch sobald der Kopf das Kissen berührt, fängt das Gedankenkarussell an zu drehen. An Schlaf ist nicht zu denken, obwohl man körperlich völlig am Ende ist. Dieser widersprüchliche Zustand aus Erschöpfung und innerer Unruhe ist kein persönliches Versagen, sondern das Resultat tief verwurzelter biologischer Schutzmechanismen. Das menschliche Gehirn unterscheidet nicht zwischen den realen Lebensbedrohungen unserer Vorfahren und dem modernen Alltagsstress, d. h., früher war eine blitzschnelle Stressreaktion überlebenswichtig, um auf plötzliche Gefahren zu reagieren. Die Alarmzentrale im Kopf schüttete Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol aus, um den Körper in maximale Bereitschaft zu versetzen, das Herz schlägt schneller, die Muskeln spannen sich an und die Aufmerksamkeit schärft sich.

    Heute lauern die Bedrohungen jedoch nicht mehr im Gebüsch, sondern im überfüllten E-Mail-Postfach, in finanziellen Sorgen oder im ständigen Leistungsdruck. Das Problem dabei ist, dass eine physische Gefahr früher schnell vorüber war, jedoch der moderne Stress oft tagelang nicht aufhört. Bleibt der Stresspegel dauerhaft hoch, bringt das den natürlichen Rhythmus des Stresshormons Cortisol durcheinander. Eigentlich sollte dessen Spiegel abends sinken, um Raum für das Schlafhormon Melatonin zu machen, doch bei chronischer Belastung bleibt das Gehirn in ständiger Wachsamkeit und scannt die Umgebung nach vermeintlichen Gefahren ab. Schlaf ist nämlich kein passiver Zustand, der einfach eintritt; das Gehirn muss die Wachheit aktiv herunterfahren können.

    Zusätzlich verstärken Menschen dieses Problem durch ihre moderne Lebensweise. Das helle Licht von Bildschirmen blockiert die Melatoninproduktion, während die ständige Informationsflut auf Smartphones und in den sozialen Medien das Gehirn emotional aufwühlt. Wenn man dann noch spät abends über vergangene Fehler nachgrübelt oder Szenarien für die Zukunft durchspielt, hält man das Nervensystem eigenhändig auf Trab. Durch den Schlafmangel wird also die Situation in der folgenden Nacht oft noch schlimmer. Ein müdes Gehirn verliert die Fähigkeit, Emotionen gut zu regulieren. Sorgen wirken um drei Uhr morgens viel bedrohlicher als am Tag, weil der für rationales Denken zuständige Teil des Gehirns geschwächt ist, während das Angstzentrum auf Hochtouren läuft.

    Gute Ratschläge wie „Entspann dich einfach“ laufen deshalb ins Leere, weil sich biologische Übererregung nicht durch reine Willenskraft abschalten lässt. Um aus diesem Teufelskreis auszusteigen, muss dem Gehirn signalisiert werden, dass keine Gefahr droht. Das gelingt vor allem durch feste Routinen und eine Reduktion von Reizen, wobei viel Tageslicht und Bewegung am Tag dem Körper helfen, seinen natürlichen Rhythmus wiederzufinden. Abends geht es vor allem darum, den Übergang in die Nacht bewusst zu gestalten: Das Weglegen von Smartphones, das Dimmen von Licht und ruhige Tätigkeiten wie Lesen oder das Aufschreiben von Gedanken helfen dem Nervensystem, Schritt für Schritt zur Ruhe zu kommen.

    Literatur

    Stangl, W. (2017, 21. Juli). Schlafstörungen. Online Lexikon für Psychologie & Pädagogik.

    Schlafstörungen


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