Frauen und Männer veränderten während des Corona-Lockdowns ihr Telefonverhalten unterschiedlich

Verhaltensunterschiede zwischen den Geschlechtern wurden bei einer Vielzahl menschlicher Aktivitäten festgestellt, z. B. bei der Art und Weise, wie Menschen kommunizieren, sich bewegen, sich versorgen oder Freizeitaktivitäten organisieren. Anhand von Mobiltelefondaten von 1,2 Millionen Geräten in Österreich (15 % der Bevölkerung) während der ersten Phase der COVID-19-Krise quantifizierten Reisch et al. (2021)  geschlechtsspezifische Muster in Bezug auf Kommunikationsintensität, Mobilität und zirkadiane Rhythmen. Sie zeigten dabei die Widerstandsfähigkeit von Verhaltensmustern gegenüber dem Schock einer strengen landesweiten Abriegelung, die Österreich zu Beginn der Krise mit schwerwiegenden Auswirkungen auf das öffentliche und private Leben erlebte. Sie fanden dabei drastische Unterschiede in den geschlechtsspezifischen Reaktionen während der verschiedenen Phasen der Pandemie. Nach der Abriegelung nahmen die geschlechtsspezifischen Unterschiede im Mobilitäts- und Kommunikationsverhalten massiv zu, während sich die zirkadianen Rhythmen tendenziell synchronisierten.

Insbesondere telefonierten Frauen während des Lockdowns weniger, aber länger als Männer. Die Mobilität nahm bei beiden Geschlechtern massiv ab, wobei Frauen ihre Bewegung stärker einschränkten als Männer. Frauen zeigten eine stärkere Tendenz, Einkaufszentren zu meiden, während Männer mehr Freizeitgebiete aufsuchten. Nach dem Lockdown kehrten Männer schneller zur Normalität zurück als Frauen, wobei auch junge Altersgruppen schneller zurückkehrten. Die Unterschiede sind daher vor allem auf die junge und heranwachsende Bevölkerung zurückzuführen. Eine Altersschichtung verdeutlicht die Rolle des Ruhestands für die Verhaltensunterschiede. Die Autoren stellen fest, dass sich die Länge eines Tages bei Männern und Frauen um eine Stunde verkürzte. Offenbar gibt es  zugrundeliegende soziale, biologische und psychologische Unterschiede zwischen den Geschlechtern bei der Bewältigung von Krisen und der Übernahme von Risiken.

Literatur

Reisch, Tobias, Heiler, Georg, Hurt, Jan, Klimek, Peter, Hanbury, Allan & Thurner, Stefan (2021). Behavioral gender differences are reinforced during the COVID-19 crisis. Scientific Reports, 11, doi:10.1038/s41598-021-97394-1.