Die Macht in Paarbeziehungen

Macht spielt auch in Paarbeziehungen eine Rolle, denn das Gefühl, Entscheidungen etwa in der Ehe bestimmen zu können, hat einen entscheidenden Einfluss auf die erlebte Qualität der Beziehung. Frühere Studien Haben gezeigt, dass in Paarbeziehungen trotzdem nur selten ein Machtgleichgewicht herrscht, d. h., eist hatten die Männer mehr Einfluss auf Entscheidungen als Frauen. Körner & Schütz (2021) sind der Frage nachgegangen, welchen Einfluss Macht und Machtempfinden bei Paaren hat, wie die in der Beziehung tatsächliche und wahrgenommene Macht Zufriedenheit und Engagement beeinflussen und welche Auswirkungen sie auf die Beziehungsqualität haben. In einer Fragebogenuntersuchung wurden unter anderem die Bewunderung für den Partner oder die Partnerin, das Vertrauen, die Zufriedenheit mit dem Sex, Gefühle von Unterdrückung und Einschränkung sowie Engagement und Bereitschaft, in die Beziehung zu investieren, erhoben. Zusätzlich wurde die Machtbalance berechnet, um zu untersuchen, inwieweit die Ausprägungen innerhalb der Paargemeinschaft ähnlich waren. Es zeigte sich, dass Männer nach wie vor mehr positionelle Macht besitzen, basierend auf höherem Einkommen und höherem Bildungsstand, und auch das Bedürfnis, Entscheidungen fü beide zu treffen, war bei Männern im Durchschnitt stärker ausgeprägt. Interessanterweise hatten diese beiden Faktoren jedoch keinen Einfluss auf die erlebte Beziehungsqualität und die Machtbalance, denn selbst wenn sich Männer und Frauen innerhalb der Paargemeinschaft bezüglich der gemessenen Parameter stark ähnelten, konnte kein Zusammenhang zur Beziehungsqualität festgestellt werden. Bisherige Untersuchungen hatten in Partnerschaften häufig einen direkten Zusammenhang zwischen Machtgleichgewicht und beziehungsbezogenen Ergebnissen nahegelegt.

Am glücklichsten mit ihrer Beziehung waren jene Paare, bei denen beide Partner über ein hohes Maß an persönlichem Machtgefühl berichteten. Offenbar sind vor allem die subjektiv erlebte Macht und das Gefühl, frei handeln zu können, für die Beziehungsqualität bedeutsam, denn bei den meisten der befragten Paare gaben beide Geschlechter an, bei wichtigen Entscheidungen ihre Bedürfnisse durchsetzen zu können. Das ist offenbar nicht zwingend ein Widerspruch, denn möglicherweise erstreckt sich der jeweilige Einfluss auf verschiedene Aspekte der Beziehung, d. h., die Frau möchte vielleicht entscheiden, wohin es in den Urlaub geht, während der Mann eher das Lokal für das Abendessen aussucht. Das Ergebnis muss allerdings insofern relativiert werden, da die Stichprobe relativ zufriedene Paare umfasste, was effektives Verhandeln begünstigt. In anderen Partnerschaften bestehen hier durchaus Konfliktpotenziale.

Literatur

Körner, R. & Schütz, A. (2021). Power in romantic relationships: How positional and experienced power are associated with relationship quality. Journal of Social and Personal Relationships, doi:10.1177/02654075211017670.
https://pressemitteilungen.pr.uni-halle.de/ (21-06-28)