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ADHS und psychische Störungen

    Es gibt immer wieder Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen einer Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung in der Kindheit, auch wenn die Ergebnisse epidemiologischer Studien bisher eher widersprüchlich sind – und späteren psychotischen Störungen, denn beide Störungen teilen physiopathologische Merkmale wie Aufmerksamkeitsdefizite, dopaminerges Ungleichgewicht und genetische Anfälligkeit.

    Nourredine et al. (2021) haben in einer Metaanalyse von Studien, die den Zusammenhang zwischen ADHS und dem Risiko einer späteren psychotischen Störung untersuchen, neue Datenanalysen durchgeführt, bei denen der Zusammenhang zwischen ADHS in der Kindheit bzw. Jugend und einer späteren psychiatrischen Erkrankung signifikant mit einem gepoolten Effekt von 4,74 war. Dieser blieb auch bei Betrachtung einzelner psychiatrischer Diagnosen wie Psychosen oder Schizophrenien hoch und war unabhängig von der Untersuchungsmethode. Die Autorinnen vermuten, dass die zugrunde liegenden gemeinsamen Faktoren Störungen in der neuronalen Entwicklung sein könnten, die u.a. das dopaminerge System betreffen, wobei auch frühe Belastungen wie Geburtskomplikationen und ein niedriges Geburtsgewicht gemeinsame Risikofaktoren für ADHS und psychiatrische Erkrankungen darstellen. Ob der Einsatz von Psychostimulanzien in der ADHS-Behandlung zu den beobachteten Zusammenhängen beiträgt, ließ sich anhand der Daten nicht beurteilen, doch rät man zu einer konsequenten Prüfung junger Menschen mit ADHS auf frühe Symptome einer beginnenden Psychose oder Verhaltens- bzw. Stimmungsstörung.

    Literatur

    Nourredine, Mikaïl, Gering, Adrien, Fourneret, Pierre, Rolland, Benjamin, Falissard, Bruno, Cucherat, Michel, Geoffray, Marie-Maude & Jurek, Lucie (2021). Association of Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder in Childhood and Adolescence With the Risk of Subsequent Psychotic Disorder: A Systematic Review and Meta-analysis. JAMA Psychiatry, 78, 519-529.