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Mediennutzung und Lesekompetenz

Kinder wachsen heute in einer audiovisuell und multimedial geprägten Umwelt auf, denn in fast allen Haushalten sind Fernseh- und Audiogeräte in der Regel mehrfach vorhanden, wobei auch die Ausstattung mit elektronischen Medien (Computer, Mobiltelfonen) in den meisten Haushalten durchgängig ist. Einige ältere Studien weisen auf die nachteilige Wirkung eines erhöhten Fernsehkonsums auf die Lesefähigkeit von Kindern hin, wobei die beliebten Schwellenwertmodelle, die davon ausgehen, dass sich negative Zusammenhänge zwischen Fernsehkonsum und Leseleistung erst ab einer erhöhten Nutzungsdauer von mehr als drei Stunden nachweisen lassen, kaum zutreffen dürften. Sowohl für den Fernsehkonsum als auch für die Dauer der Computernutzung finden sich in neueren Studien eher Belege für die Gültigkeit der Verdrängungshypothese, die davon ausgeht, dass die neuen Medien die außerschulischen Leseaktivitäten verdrängen und nur die daraus resultierende geringere Übungsmöglichkeit einen negativen Effekt auf die Entwicklung der Lesefähigkeit hat. Die negativen Zusammenhänge zwischen Fernsehnutzung und Lesefähigkeit werden vor allem in der öffentlichen Diskussion oft ungeprüft auf die Medien Computer und Videospiele übertragen, obwohl empirische Belege für einen tatsächlichen negativen Zusammenhang zwischen Lesefähigkeit und Dauer der Nutzung dieser Medien nur vereinzelt vorliegen (vgl. Stangl, 2019).

Literatur

Beentjes, J.W.J. & van der Voort, T.H.A. (1989). Television and young people ́s reading behaviour: A review of research. European Journal of Communication, 4, 51-77.
Fuchs, T. & Wößmann, L. (2005). Computer können das Lernen behindern. ifo Schnelldienst 58 (18), 16-23.
Paus-Haase, I., Höltershinken, D. & Tietze, W. (1990). Alte und neue Medien im Alltag von jungen Kindern. Orientierungshilfen für Eltern und Erzieherinnen. Freiburg im Breisgau: Lambertus.
Stangl, W. (2019, 9. März). visual literacy. Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik.

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