Kalendereinträge – digital oder analog?

Es bleibt zu klären, wie sich unterschiedliche Inputs für die Gedächtniskodierung, wie z. B. die Verwendung von Papiernotizbüchern oder mobilen Geräten, auf Abrufprozesse auswirken. Umejima et al. (2021) verglichen drei Gruppen von Teilnehmern, die Dialoge zu persönlichen Terminen lasen und die geplanten Termine in einem Kalender notierten, indem sie ein Papiernotizbuch (Note), ein elektronisches Tablet (Tablet) oder ein Smartphone (Phone) verwendeten. Nach einer einstündigen Retentionszeit inklusive einer Interferenzaufgabe testete man das Wiedererkennungsgedächtnis dieser Termine mit visuell präsentierten Fragen in einer Retrieval-Aufgabe, während man die Probanden mit funktioneller Magnetresonanztomographie scannte.

Ergebnisse: Erstens war die Dauer des Aufschreibens von Terminen in der Notiz-Gruppe signifikant kürzer als in der Tablet- und Phone-Gruppe, und die Genauigkeit war in der Notiz-Gruppe bei leichteren (d.h. einfacheren) Fragen deutlich höher. Da die Eingabemethoden zwischen der Notiz- und der Tablet-Gruppe so weit wie möglich angeglichen wurden, deuten diese Ergebnisse darauf hin, dass die kognitiven Prozesse in der Notiz-Gruppe tiefer und solider waren. Zweitens waren die Hirnaktivierungen bei allen Teilnehmern während der Abrufphase im bilateralen Hippocampus, im Precuneus, in den visuellen Cortizes und in sprachbezogenen frontalen Regionen lokalisiert, was die Beteiligung von verbalisierten Gedächtnisabrufprozessen für Termine bestätigt. Drittens waren die Aktivierungen in diesen Regionen in der Notiz-Gruppe signifikant höher als in der Tablet- und Phone-Gruppe. Diese erhöhten Aktivierungen für die Notiz-Gruppe konnten nicht durch allgemeine kognitive Belastungen oder die Schwierigkeit der Aufgabe erklärt werden, da die Gesamtleistung der Aufgabe in den Gruppen ähnlich war. Die signifikante Überlegenheit sowohl in der Genauigkeit als auch in den Aktivierungen für die Notebook-Gruppe deutet darauf hin, dass die Verwendung eines Papier-Notizbuchs den Erwerb umfangreicher Kodierungsinformationen und/oder räumlicher Informationen von echten Papier förderte, und dass diese Informationen als effektive Retrieval-Hinweise genutzt werden konnten, was zu höheren Aktivierungen in diesen spezifischen Regionen führte.

Literatur

Umejima, Keita, Ibaraki, Takuya, Yamazaki ,Takahiro & Sakai, Kuniyoshi L. (2021). Paper Notebooks vs. Mobile Devices: Brain Activation Differences During Memory Retrieval. Frontiers in Behavioral Neuroscience, 15, doi:0.3389/fnbeh.2021.634158.