Echter oder simulierter Schmerz?

Zhao et al. 2021) haben untersucht, wie sich diese Hirnaktivitäten bei eigenem Schmerz und der Empathie bei Schmerzen anderer unterscheiden lässt. Ziel war es herauszufinden, was genau die Aktivierungen im vorderen insulären Cortex des Gehirns während der Empathie auslöst, und ob es wirklich das Nachempfinden des Schmerzes ist, oder lediglich die Reaktion des Gehirns auf ein besonders auffälliges Ereignis, wie etwa ein schmerzverzerrtes Gesicht. Man spielte Versuchsteilnehmern Videoclips von anderen Menschen vor, die über ihren Gesichtsausdruck echten bzw. lediglich vorgetäuschten Schmerz zeigten. Dabei maß man mittels Magnetresonanztomographie, welche Bereiche im Gehirn der Teilnehmer wie stark aktiv waren. Die Ergebnisse zeigten, dass vorgetäuschte Schmerzen tatsächlich den vorderen insulären Cortex aktivieren, d. h., der Ort der Hirnaktivierung ist also beim Ansehen von echtem und simuliertem Schmerz gleich. Entscheidend war aber, dass diese Gehirnregion durch tatsächliche Schmerzen wesentlich stärker aktiviert wurde, und somit zweifelsfrei auch mit dem Nachempfinden von echten Schmerzen in Zusammenhang steht. Durch spezifische Analysen der effektiven Konnektivität, also der Interaktion zwischen Gehirnarealen, konnte man zeigen, dass die vordere Insel systematisch mit einem Bereich des Gehirns interagiert, der mit Selbst-Anderer-Unterscheidung in Verbindung gebracht wird, also auch mit der Unterscheidung zwischen eigenen und fremden Gefühlen. Um empathisch angemessen reagieren zu können, genügt es also nicht, nur auf die angezeigten Gefühle anderer einzugehen, sondern es braucht auch die Fähigkeit, zwischen adäquaten und in-adäquaten Gefühlsreaktionen unterscheiden zu können.

Literatur

Zhao, Y., Zhang, L., Rütgen, M., Sladky, R., Lamm, C. (2021). Neural dynamics between anterior insular cortex and right supramarginal gyrus dissociate genuine affect sharing from perceptual saliency of pretended pain. eLife, doi:10.7554/eLife.69994.
https://medienportal.univie.ac.at/presse/aktuelle-pressemeldungen/detailansicht/artikel/wie-das-gehirn-echte-und-vorgetaeuschte-schmerzen-anderer-unterscheidet-1/ (21-09-21)