Wie kommt der erste Eindruck bei einem Menschen zustande?

Hester et al. (2021) haben untersucht, inwieweit die ersten Eindrücke von Menschen durch den kulturellen Hintergrund und nicht durch persönliche Eigenheiten geprägt sind. Um dieser Frage nachzugehen, analysierten sie einen weltweit breitgestreuten Datensatz mit über elftausend Bewertungen erwachsener Teilnehmer zu über hundert Zielpersonen aus fünfundvierzig Ländern (Länder unter anderem in Afrika und Südostasien, Nord-, Süd- und Mittelamerika, West- und Osteuropa, Großbritannien und Skandinavien). Bei der Bewertung von dreizehn Merkmalen (etwa ob die Gesichter attraktiv, intelligent oder vertrauenswürdig sind) stellte man fest, dass die idiosynkratischen Unterschiede der Wahrnehmenden allein etwa 29 % der Varianz und der Eindrücke ausmachten und etwa 16 % in Verbindung mit den Merkmalen der Zielperson. Unterschiede auf Länder- und Regionsebene, hier stellvertretend für die Kultur, machten jedoch durchschnittlich 3,2 % aus, d. h. sowohl allein als auch in Verbindung mit den Zielmerkmalen. Sie überprüften dabei dieses Wirkungsmuster in einer vorab durchgeführten Analyse mit einem völlig neuen Datensatz, der siebentausend Teilnehmerbewertungen von hundert Zielen aus einundvierzig Ländern enthielt. Zusammengenommen deuten diese Ergebnisse darauf hin, dass der Eindruck, den die Teilnehmer von anderen Menschen haben, weitgehend von ihren individuellen Merkmalen und ihrem lokalen Umfeld und weniger von ihrem kulturellen Hintergrund bestimmt wird.

Literatur

Hester, Neil, Xie, Sally Y. & Hehman, Eric (2021). Little Between-Region and Between-Country Variance When People Form Impressions of Others. Psychological Science, doi:10.1177/09567976211019950.