Kann man aus den Genen auf die Risikobereitschaft eines Menschen schließen?

In einer kombinierten Stichprobe von über einer Million Individuen haben Karlsson Linnér et al. (2019) genomweite Assoziationsstudien zu allgemeiner Risikotoleranz, Abenteuerlust und riskantem Verhalten in den Bereichen Autofahren, Trinken, Rauchen und Sexualität durchgeführt. Dabei identifizierte man über einhundert bisher unbekannte Genvarianten in neunundneunzig Bereichen des menschlichen Genoms, die mit der Risikobereitschaft eines Menschen und seinem Risikoverhalten verbunden sind. Um die ausschlaggebenden genetischen Varianten zu bestimmen, berücksichtigte man einerseits die selbst-berichtete grundsätzliche Risikobereitschaft und andererseits deren tatsächliches Risikoverhalten etwa beim Rauchen, Trinken, zu schnellem Autofahren oder wechselnden Sexualpartnern. Damit konnte man die genetische Architektur der Risikobereitschaft bestimmen und ermitteln, an welchen Stellen sich die Neigung zu riskantem Verhalten im menschlichen Genom befindet. Allerdings kann man natürlich nicht auf Basis der konkreten DNA eines Menschenn sagen, welches Risiko er oder sie in einer bestimmten Situation eingehen wird, denn während der Zusammenhang zwischen Genvarianten und einem konkretem Merkmal etwa bei der Augenfarbe sehr direkt ist, wird er im Falle der Risikobereitschaft auch von Umweltfaktoren beeinflusst.

Literatur

Karlsson Linnér, Richard, Biroli, Pietro et al. (2019). Genome-wide association analyses of risk tolerance and risky behaviors in over one million individuals identify hundreds of loci and shared genetic influences. Nature Genetics, 51, 245-257.


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