Warum Menschen Musik lieben

Die Fähigkeit von Musik, Gefühle der Freude auszulösen, ist in letzter Zeit Gegenstand intensiver neurowissenschaftlicher Forschung. Frühere Neuroimaging-Studien haben gezeigt, dass musikinduziertes Vergnügen cortiko-striatale Schaltkreise aktiviert, die mit der Antizipation und dem Erhalt biologisch relevanter Belohnungen bzw. Anreize zusammenhängen, aber diese Berichte war in der Regel nur korrelational.

Mas-Herrero et al. (2021) untersuchten nun sowohl die kausale Rolle dieser Schaltkreise als auch ihre zeitliche Dynamik, indem sie transkranielle Magnetstimulation (TMS) über den linken dorsolateralen präfrontalen Cortex in Kombination mit funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRI) bei ihren ProbandInnen anwendeten. In Übereinstimmung mit früheren Befunden fand man dabei, dass die Erregung fronto-striataler Bahnen die subjektiven Berichte über musikinduzierte Freude und Motivation verstärkte, während die Hemmung derselben Schaltkreise zu einer Verringerung von beidem führte. fMRI-Aktivitätsmuster deuteten darauf hin, dass diese Verhaltensänderungen durch die bidirektionale TMS-induzierte Veränderung der fronto-striatalen Funktion angetrieben wurden. Insbesondere Änderungen der Aktivität im Nucleus accumbens (NAcc) sagten eine Modulation sowohl der hedonischen als auch der motivationalen Reaktionen voraus, mit einer Dissoziation zwischen prä-experientiellen vs. experientiellen Komponenten der musikalischen Belohnung. Darüber hinaus sagten TMS-induzierte Veränderungen in der funktionellen fMRI-Konnektivität zwischen dem NAcc und den frontalen und auditorischen Cortizes den Grad der Modulation der hedonischen Reaktionen voraus. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Aktivierung von cortiko-striatalen Bahnen und insbesondere des NAcc unabdingbar ist, um belohnende Gefühle durch Musik zu erfahren.

Literatur

Mas-Herrero, Ernest, Dagher, Alain, Farrés-Franch, Marcel & Zatorre, Robert J. (2021). Unraveling the temporal dynamics of reward signals in music-induced pleasure with TMS. The Journal of Neuroscience, doi:10.1523/JNEUROSCI.0727-20.2020.