Kulturabhängige Unterschiede in der sozialen Achtsamkeit

Bei der sozialen Achtsamkeit, geht es darum, dass man bei einer eigenen Entscheidung immer mit bedenkt, was das für andere Menschen bedeuten kann. Während eine Kooperation irgendeine Art von gemeinsamem Ziel beinhaltet, setzt diese Form der Achtsamkeit unterschwelliger an und steht stark im Zusammenhang mit einer sozialen Wertorientierung, die darauf abzielt, dass einem selbst, aber auch anderen etwas bleibt.

Van Doesum et al. (2021) haben weltweit über 8300 Menschen (StudentInnen verschiedenster Fachrichtungen, online oder unter Laborbedingungen) untersucht und fanden erhebliche Unterschiede zwischen den Ländern, in denen die Studie durchgeführt wurde. Die StudentInnen aus Österreich präsentierten sich demnach besonders bedacht, auch anderen noch alle Optionen offen zu lassen, nachdem sie selbst zu Zug gekommen waren. Auch beim Ausmaß an sozialer Wertorientierungen wies der österreichische Teil der Studie den zweithöchsten Wert aus, wobei sich über die 31 Länder hinweg ein Zusammenhang zwischen der Wertorientierung und der Achtsamkeit gefunden wurde. Erklärt haben das die Autorinnen mit einer doch vorhandenen gewissen Höflichkeitskultur in Österreich, was auch dadurch bestätigt werden dürfte, dass mit Japan nur ein Land vor Österreich liegt, in dem dies traditionell ebenfalls sehr hoch gehalten wird. Die vier hintersten Plätze belegen übrigens Südafrika, Indien, die Türkei und Indonesien. Der stärkste untersuchte Zusammenhang zwischen der sozialen Achtsamkeit und einem anderen Faktor ergab sich überraschenderweise mit dem Umweltschutz, wobei dieser bei TeilnehmerInnen aus Ländern, in denen letzterer mehr Stellenwert hat und die auch wirtschaftlich besser dastehen, sich tendenziell umsichtigerpräsentierten. Offenbar hat eine Einstellung, die sich mitunter in kleinen Gesten zeigt, auch gewisse Auswirkungen auf größere gesellschaftliche Strömungen, wobei es letztlich um eine grundlegende Haltung gegenüber dem guten Auskommen miteinander geht, d. h., wenn das in stärkerer Weise etabliert ist, ist das auch günstig für das Zusammenleben.

Literatur

Van Doesum, N.J., Murphy,R.O., Gallucci,M., Aharonov-Majar,E.,Athenstaedt,U., Au,W.T., Bai,L.,Böhm,R.,Bovina,I.,Buchan,N.R., Chen,X.-P., Dumont,K.B., Engelmann,J.B., Eriksson,K., Euh,H., Fiedler,S., Friesen,J., Gächter,S., Garcia,C., González,R., Graf,S., Growiec,K., Guimond,S., Hebíčková,M., Immer-Bernold, E., Joireman,J., Karagonlar,G., Kawakami,K., Kiyonari,T., Kou,Y., Kuhlman,D.M., Kyrtsis,A.-A., Lay,S., Leonardelli,G.J., Li,N.P., Li,Y., Maciejovsky,B., Manesi,Z., Mashuri,A., Mok,A., Moser,K.S., Moták,L., Netedu,A., Pammi,C., Platow,M.J., Raczka,K., Reinders Folmer,C.P., Reyna,C., Romano,A., Shalvi,S., Simão,C., Stivers,A.W., Strimling,P., Tsirbas,Y., Utz,S., van der Meij,L., Waldzus,S., Wang,Y., Weber,B., Weisel,O., Wildschut,T., Winter,F., Wu,J., Yong,J.C., Van Lange,P.A.M. (2021). Social mindfulness across the globe. Proceedings of the National Academy of Sciences.