Schützende und förderliche Faktoren jugendlicher Delinquenz

Bedeutsame promotive und protektive Faktoren der jugendlichen Delinquenz finden sich nach Riesner (2014) im Bereich der elterlichen Unterstützung und Erziehung. Als schützende Eigenschaften haben sich unter anderem ein angemessenes Monitoring, eine offene Eltern-Kind-Kommunikation, die klare Einhaltung von Regeln, die Einbeziehung des Kindes in familiäre Aktivitäten, elterliche Bekräftigung von positivem Verhalten der Kinder und der Verzicht auf physische Disziplinierungsmaßnahmen erwiesen, ebenso ein liebevoller und emotional warmer Umgang zwischen den Eltern sowie den Eltern und Kindern. Diese elterlichen Eigenschaften hinsichtlich der Erziehung und des Umgangs mit dem Kind führen zum Aufbau von sozialen Kompetenzen, Selbstvertrauen, Autonomie sowie positiven Freundschaften und verringern auf diese Weise die Entwicklung antisozialen Verhaltens, wobei ein Teil der Zusammenhänge über die Bindungsfähigkeiten des Kindes mediiert wird.
Eine sichere emotionale Bindung zwischen Kind und Eltern hat sich im Hinblick auf vielfältige Entwicklungsbereiche als förderlich herausgestellt, wobei die positive Wirkung einer engen emotionalen Bindung weder auf die Kindheit noch auf den Bereich der Familie begrenzt ist. Eine enge Eltern- Kind-Beziehung während des Jugendalters wirkt dabei indirekt positiv, indem sie den Kontakt zu prosozialen Peers fördert. Hinzu kommen delinquenzreduzierenden Effekte von Partnerschaften, wobei auch für nicht-eheliche Partnerschaften ein entsprechender Einfluss festgestellt werden konnte. Ihre Wirkung entfalten Partnerschaften unter anderem darüber, dass sie den Kontakt zu delinquenten Peers reduzieren und den Aufbau von Selbstkontrolle fördern können, sodass die Bindung an einen Partner zu größerer informeller Kontrolle, zu erhöhten persönlichen Kosten delinquenter Handlungen und zu einer Ausrichtung an den nicht-devianten Werten des Partners führen kann. Partnerschaften sind allerdings nicht per se als Schutzfaktor aufzufassen, da delinquente Partner die Wahrscheinlichkeit für Delinquenz gegebenenfalls auch erhöhen können. Viele der familiären Merkmale sind eng miteinander verknüpft und stehen untereinander sowie mit dem Verhalten des Kindes in komplexen Wechselwirkungen, sodass familiäre Schutzfaktoren vor allem relevant für die Verhinderung delinquenter Entwicklungsverläufe zu sein scheinen und weniger für die Beendigung einer bereits verfestigten Entwicklung.

Literatur

Riesner, L. (2014). Die Möglichkeiten und Grenzen der Vorhersage delinquenten Verhaltens von jungen Menschen anhand ihrer Jugendhilfeunterlagen. Dissertation, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.