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Wie man im Alter gegen Stürze vorbeugen kann

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    Stürze im Alter sind oft kein Zufall, sondern die Folge von veränderten Bewegungsmustern und Unsicherheit. Doch es gibt bewusste, physiotherapeutisch fundierte Techniken, die das Sturzrisiko massiv senken können. Dabei geht es nicht um teures Training, sondern um die Reaktivierung natürlicher Bewegungsabläufe, die das Gleichgewicht stabilisieren und die Unabhängigkeit bis ins hohe Alter (60–85+ Jahre) bewahren.

    Die Basis für einen sicheren Gang beginnt paradoxerweise nicht bei den Füßen, sondern beim Blick. Wer ständig starr auf den Boden direkt vor sich schaut, neigt dazu, die Wirbelsäule zu krümmen und den Schwerpunkt ungünstig zu verschieben, was die Sturzgefahr paradoxerweise erhöht. Physiotherapeuten empfehlen stattdessen die 20/80-Regel: Man sollte etwa 80 % der Zeit den Blick drei bis fünf Meter vorausschauend halten und nur für die restlichen 20 % kurz den unmittelbaren Trittbereich kontrollieren. Diese aufrechte Haltung richtet den gesamten Oberkörper auf und gibt dem Gehirn mehr Zeit, auf Hindernisse in der Ferne zu reagieren.

    Ein oft unterschätztes Werkzeug für die Stabilität ist der natürliche Armschwung. Jedes Mal, wenn sich der rechte Fuß nach vorn bewegt, sollte der linke Arm locker mitschwingen und umgekehrt. Dieses überkreuzte Bewegungsmuster fungiert wie ein eingebautes Gegengewicht, das kleine Schwankungen im Gehen sofort abfängt. Wer aus Angst oder durch das Tragen von Taschen die Arme steif am Körper hält, beraubt sich seiner natürlichen Balance. Schon ein sanftes, rhythmisches Pendeln der Arme reicht aus, um dem Körper seine ursprüngliche Sicherheit zurückzugeben.

    Der dritte Trick betrifft die Art und Weise, wie der Fuß den Boden berührt. Viele Senioren gewöhnen sich an, den Fuß flach oder gar mit den Zehen zuerst aufzusetzen, um vermeintlich sicherer zu stehen. Das Gegenteil ist jedoch der Fall: Ein sicherer Gang erfordert die bewusste Fersen-Zehen-Technik. Indem man zuerst mit der Ferse aufsetzt und dann über den Ballen bis zu den Zehen abrollt, wird die Stoßdämpfung der Gelenke aktiviert und die Wadenmuskulatur gestärkt. Dies verhindert zudem, dass man mit den Zehen an Teppichkanten oder kleinen Unebenheiten hängen bleibt.

    In jungen Jahren neigt man oft zu ausladenden Schritten, doch im Alter kann dies zur Gefahr werden. Zu große Schritte verlagern den Schwerpunkt zu weit nach hinten und machen den Stand instabil. Daher ist es ratsam, die Schrittlänge bewusst zu verkürzen und dafür etwas kompakter zu gehen. Kurze Schritte halten den Körper zentriert über der Unterstützungsfläche und erlauben es, bei einem Stolperer wesentlich schneller zu reagieren. Man gewinnt dadurch zwar nicht an Tempo, dafür aber massiv an Kontrolle und schont gleichzeitig die Kraftreserven der Muskulatur.

    Die Kraft für das Gleichgewicht kommt nicht allein aus den Beinen, sondern aus der Körpermitte (Core). Ein stabiles Zentrum aus Bauch-, Rücken- und Beckenmuskulatur hält den Oberkörper aufrecht und verhindert das unsichere Wackeln. Man muss dafür nicht ins Fitnessstudio gehen; einfache Alltagsgewohnheiten wie das kurze Stehen auf einem Bein beim Zähneputzen oder das leichte Einziehen des Bauchnabels während des Gehens aktivieren diese tief liegenden Muskeln. Eine starke Mitte wirkt wie ein unsichtbarer Anker, der den Körper bei jedem Schritt stabilisiert.

    Schließlich sind es oft die unsichtbaren Übergänge zwischen verschiedenen Bodenbelägen, die zu Unfällen führen. Um den „Autopiloten“ des Gehirns auszuschalten und die Aufmerksamkeit zu schärfen, hilft der Trick des bewussten Benennens. Wenn man sich einem Teppich, einer Fliese oder einer Stufe nähert, sollte man das Hindernis leise beim Namen aussprechen. Dieser kurze mentale Impuls sorgt dafür, dass sich das Nervensystem sofort auf den neuen Untergrund einstellt. Diese Achtsamkeit hilft dabei, die Angst vor dem Gehen durch Vertrauen in die eigene Wahrnehmung zu ersetzen und die Unabhängigkeit im Alltag zu bewahren.

     


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