Wie Hunde menschliche Sprachen unterscheiden

Hunde sind ihr ganzes Leben lang oft einem ständigen Strom menschlicher Sprache ausgesetzt, wobei das Ausmaß ihrer Fähigkeiten zur Sprachwahrnehmung jedoch unbekannt ist. In einer Untersuchung haben Cuaya et al. (2021) die funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRI) eingesetzt, um die Spracherkennung und Sprachrepräsentation im Hundegehirn zu untersuchen.

Die Hunde hörten natürliche Sprachen und aus zusammenhangslosen Fetzen zusammengesetzte künstliche Sprachen in einer bekannten und einer unbekannten Sprache. Die Verschlüsselung von Sprache verzerrt auditive Regelmäßigkeiten, die für Sprache und eine bestimmte Sprache spezifisch sind, lässt aber die spektralen Stimmhinweise intakt. Man untersuchte dabei die Hypothese, ob Hunde auditive Regelmäßigkeiten von Sprache im einer vertrauten Sprache extrahieren können, oder ob es unterschiedliche Muster der Hirnaktivität bei natürlicher und künstlicher Sprache sowie bei vertrauter und unvertrauter Sprache gibt.

Mithilfe der Multivoxel-Musteranalyse fand man heraus, dass bilaterale auditorische Cortikalregionen natürliche Sprache und künstliche Sprache unterschiedlich repräsentieren, wobei die Klassifizierungsleistung bei Hunden mit längeren Köpfen in der rechten auditorischen Region besser war. Diese neuronale Kapazität für die Spracherkennung beruhte nicht auf einer bevorzugten Verarbeitung von Sprache, sondern vielmehr auf der Sensibilität für die Natürlichkeit des Klangs. Darüber hinaus wurden bei natürlicher Sprache unterschiedliche Aktivitätsmuster für die beiden Sprachen im sekundären auditorischen Cortex und im Gyrus precruciateus gefunden, wobei bei älteren Hunden der Unterschied zwischen den Reaktionen auf die vertraute und die unbekannte Sprache größer war, was auf eine Rolle des Umfangs der Sprachexposition hindeutet. Es gab keine Regionen, die die verschlüsselten Versionen der beiden Sprachen unterschiedlich repräsentierten, was darauf hindeutet, dass der Aktivitätsunterschied zwischen den Sprachen bei natürlicher Sprache eher die Sensibilität für sprachspezifische Regelmäßigkeiten als für spektrale Stimmhinweise widerspiegelt. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass getrennte cortikale Regionen die Erkennung der Natürlichkeit von Sprache und die Sprachrepräsentation im Hundegehirn unterstützen.

Diese Studie belegt, dass auch nicht-menschliche Gehirne in der Lage sind, verschiedene menschliche Sprachen zu unterscheiden und wiederzuerkennen, und zeigt, dass die Fähigkeit, die Regelmäßigkeiten einer Sprache zu lernen, nicht nur dem Menschen zu eigen ist. Ob es sich dabei um eine Spezialität von Hunden handelt oder ob auch andere Tiere diese Fähigkeit haben, ist bislang noch nicht geklärt, denn Hunde leben seit zehntausenden von Jahren mit dem Menschen zusammen, sodass es möglich ist, dass sich in dadurch Veränderungen in ihrem Gehirn ergeben haben, die sie zu besseren Sprachhörern machen.

Literatur

Cuaya, Laura V., Hernández-Pérez, Raúl, Boros, Marianna, Deme, Andrea & Andics, Attila (2021). Speech naturalness detection and language representation in the dog brain. NeuroImage, doi:10.1016/j.neuroimage.2021.118811.