Alkoholabbau nicht nur in der Leber, sondern auch im Gehirn!

Alkohol gehört zu den weltweit am häufigsten verwendeten psychoaktiven Substanzen. Ethanol-Metaboliten wie Acetat, von denen man annimmt, dass sie hauptsächlich das Ergebnis des Ethanol-Abbaus durch die hepatische Aldehyd-Dehydrogenase 2 (ALDH2) sind, tragen zu den Verhaltenseffekten von Alkohol und Alkoholismus bei. Jin et al. (2021) zeigen in einer Untersuchung am Mausmodell, dass ALDH2 in Astrozyten im Kleinhirn exprimiert wird und dass der Ethanol-Stoffwechsel durch die astrozytäre ALDH2 die mit der Ethanol-Intoxikation verbundenen Verhaltenseffekte vermittelt. Dieses Abbauprodukt verursacht auch bei Menschen die typischen Kopfschmerzen nach exzessivem Alkoholkonsum. Sie zeigen des Weiteren, dass ALDH2 in Astrozyten in bestimmten Hirnregionen exprimiert wird und dass astrozytäres, aber nicht hepatozytäres ALDH2 benötigt wird, um Ethanol-abgeleitetes Acetat im Kleinhirn der Maus zu produzieren. Astrozytäres ALDH2 im Kleinhirn vermittelt die durch Ethanol induzierte Erhöhung des GABASpiegels, die Verstärkung der tonischen Hemmung und die Beeinträchtigung der Gleichgewichts- und Koordinationsfähigkeiten bei einer niedrigen Dosis. Somit steuert astrozytäres ALDH2 die Produktion, die zellulären und die Verhaltenseffekte von Alkohol-Metaboliten auf eine hirnregionalspezifische Weise. Diese Daten deuten also darauf hin, dass astrozytäres ALDH2 ein bisher zu wenig beachtetes Ziel im Gehirn ist, um die Pharmakokinetik von Alkohol zu verändern und möglicherweise eine Alkoholabhängigkeit zu behandeln. Es lässt sich daraus schließen, dass das Gehirn ein wichtiger Teil des Alkoholabbaus darstellt und dass die Leber den Abbau nicht allein tragen muss.

Literatur

Jin, Shiyun, Cao, Qi, Yang, Fanghan, Zhu, Hongying, Xu, Su, Chen, Qi, Wang, Ziyi, Lin, Yuhong, Cinar, Resat, Pawlosky, Robert J., Zhang, Ye, Xiong, Wei, Gao, Bin, Koob, George F., Lovinger, David M. & Zhang, Li (2021). Brain ethanol metabolism by astrocytic ALDH2 drives the behavioural effects of ethanol intoxication. Nature Metabolism, 3, 337-351.


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