In der modernen Alltagssprache sowie in sozialen Medien hat sich eine Tendenz etabliert, emotionale Reaktionen und unangenehme Erlebnisse vorschnell mit klinischen Fachbegriffen wie dem Wort „Trigger“ zu belegen. Diese inflationäre Verwendung, die oft unter dem Begriff „Therapy Speak“ zusammengefasst wird, ist jedoch aus psychologischer Sicht kritisch zu betrachten, da sie weitreichende Folgen für das Selbstbild und die soziale Interaktion haben kann.
Ein zentrales Problem dieser Sprachentwicklung liegt in der Verschiebung der Verantwortung: Wenn eine Person sagt, sie sei von etwas „getriggert“ worden, schreibt sie die Ursache für ihren emotionalen Zustand oft ausschließlich dem Gegenüber oder einem äußeren Umstand zu. Dies kann dazu führen, dass die eigene Selbstwirksamkeit verloren geht und ein Selbstbild als hilfloses Opfer zementiert wird, dem Unheil angetan wurde. Anstatt die Verantwortung für den Umgang mit den eigenen Gefühlen zu übernehmen, entsteht der oft unrealistische Anspruch, dass das gesamte Umfeld ständige Rücksicht auf individuelle emotionale Belastungspunkte nehmen muss, was langfristig eher zu chronischen psychischen Problemen als zur Heilung beitragen kann.
Ein reflektierterer Ansatz bestünde darin, die eigenen Gefühle präzise zu beschreiben und die Verbindung zu persönlichen biografischen Prägungen herzustellen, anstatt nur den Auslöser zu markieren. Auf diese Weise bleibt die Handlungsfähigkeit bei der betroffenen Person selbst. Zudem verwässert die allgemeine Nutzung des Begriffs dessen ursprüngliche wissenschaftliche Bedeutung, die eng mit der Posttraumatischen Belastungsstörung verknüpft ist. In diesem klinischen Kontext bezeichnet ein Trigger einen Reiz, der eine traumatische Erinnerung in massiver Weise reaktiviert.
Die Gleichsetzung von alltäglichem Unbehagen mit solchen schweren pathologischen Zuständen kann gegenüber tatsächlich traumatisierten Menschen als respektlos und unsensibel wahrgenommen werden. Auch wenn die Verbreitung psychologischer Begriffe zur Enttabuisierung von psychischen Erkrankungen beitragen kann, besteht durch die unreflektierte Nutzung im Alltag die Gefahr, dass ernsthafte psychische Leiden trivialisiert und nicht mehr in ihrer eigentlichen Schwere wahrgenommen werden.
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